Red Zone in der M*Halle: Ein schweißtreibender Machtkampf auf der Bühne


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Red Zone: Antike Machtkämpfe treffen auf schweißtreibende Gegenwart
In der M*Halle Schwerin verwandelt sich Aristophanes’ Komödie Die Weibervolksversammlung in ein pulsierendes Gegenwartsszenario. Helene Hegemann und River Roux verlegen den antiken Konflikt um Macht, Geschlechterrollen und gesellschaftliche Neuordnung in ein Fitnessstudio, in dem Selbstoptimierung zur politischen Choreografie wird.
Ein Fitnessstudio als politische Arena
Auf Spinningrädern, Turnmatten und unter grellem Bühnenlicht geraten sechs Performerinnen in einen körperlichen Ausnahmezustand. Drill, Erschöpfung und das Streben nach maximaler Leistungsfähigkeit bestimmen die Theateratmosphäre. Sekundengetaktete Beats von DJ Gadutra erinnern an Kriegstrommeln und treiben das Ensemble in eine Red Zone, in der der Puls steigt und der individuelle Körper zum Schauplatz gesellschaftlicher Erwartungen wird.
Dramaturgie zwischen Aristophanes und Selbstoptimierung
Aristophanes’ antike Vorlage erzählt von Frauen, die angesichts von Krieg, Korruption und politischem Versagen die Macht übernehmen. Die neue Inszenierung führt diesen Gedanken in eine Gegenwart, deren Leitbilder von Kapital, Erfolg und permanenter Verbesserung geprägt sind. Die Dramaturgie fragt, ob ein Wechsel der Geschlechter an der Spitze tatsächlich gerechtere Verhältnisse schafft oder lediglich die Oberfläche eines tieferliegenden Machtproblems verändert.
Bühnenbild, Kostüme und Live-Sound
Nicole Marianna Wytyczaks Bühnenbild und Video machen körperliche Anstrengung sichtbar. Herzschlag und Belastung werden zum visuellen Material, während farbige Fitnesskostüme von Olja Grubić den Körper zugleich ausstellen und uniformieren. Die Live-Musik erzeugt eine intensive Akustik zwischen Club, Trainingshalle und politischer Versammlung. Regisseurin Bibiana Mendes führt diese Elemente zu einer körperbetonten Bühnenkunst zusammen, die Zuschauerinnen und Zuschauer unmittelbar in den Rhythmus des Geschehens zieht.
Eine Uraufführung mit klarer Gegenwartsdiagnose
Die Produktion verbindet Schauspielkunst, Performance und Musiktheater zu einem ungewöhnlichen Bühnenerlebnis. Helene Hegemann, bekannt durch ihren Roman Axolotl Roadkill und ihre Arbeiten für Film, Oper und Theater, trifft auf die Performerin und Autorin River Roux. Roux arbeitete unter anderem mit dem Berlin Strippers Collective sowie an der Berliner Volksbühne und am Theater Bremen.
Zur künstlerischen Leitung gehören außerdem die Dramaturgin Urška Brodar, Kostümbildnerin Olja Grubić und DJ Gadutra. Die Besetzung umfasst Agnes Hestholm, Joana Damberg, Caleb Felder, Margherita Campostrini, Luca Kronast-Reichert und Julia Krukow.
Fazit: Theater als körperlicher Grenzgang
Red Zone verspricht einen intensiven Abend zwischen antiker Komödie, zeitgenössischer Performance und politischer Reflexion. Das Publikum erlebt eine Inszenierung über Macht, Körper, Erschöpfung und den Wunsch nach einer besseren Zukunft. Wer Theater als unmittelbare, fordernde und sinnlich aufgeladene Bühnenkunst erleben möchte, findet in der M*Halle einen Abend mit hohem Puls und offenem Ausgang.
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